Eine Minute, ein Tablet, ein Entwurf
Gestern beim Kunden. Auf dem Tisch liegt ein Kostenvoranschlag, den wir vor Monaten geschrieben haben. Jetzt liegt er wieder da, mit einer neuen Annahme: Mit KI muss das doch günstiger gehen. Dann nimmt der Kunde sein Tablet, öffnet ChatGPT und spricht hinein: Entwirf mir eine Website. Eine Minute später dreht er das Tablet zu uns um. „Ging doch schnell.“
Ja, ging es. Besser wurde es nicht.
Genau das ist der teuerste Denkfehler, den Unternehmen gerade mit KI begehen: Sie verwechseln schnelles Design mit gutem Design. Der Satz dazu fällt inzwischen in fast jedem Erstgespräch: „Das macht die KI doch in fünf Minuten. Warum dauert das bei euch zwei Wochen?“
Was in dieser Minute wirklich passiert ist
Der Entwurf auf dem Tablet sah ordentlich aus. Das ist das Problem, denn ordentlich ist der Durchschnitt. KI rechnet mit dem Mittelwert dessen, was es schon gibt. Heraus kommt die Website der Branche, nicht die des Betriebs.
Wir haben dem Kunden drei Dinge gezeigt:
- Der Entwurf hat keine Haltung, nur einen Zufallswert. Stellt er dieselbe Frage nächstes Jahr, spuckt ChatGPT etwas anderes aus. Was heute passt, passt im Januar schon nicht mehr.
- Niemand hat die wichtigste Frage gestellt. Wer liest die Seite, und was soll er danach tun? Ein Tool beantwortet nur, was du fragst. Wer die falsche Frage stellt, bekommt in Rekordzeit die falsche Antwort.
- Seine Stunde ist in seinem Fach mehr wert als vor einem Chatfenster. Wer einen Nachmittag lang versucht, ChatGPT zu erklären, was er meint, hat einen Nachmittag nicht gearbeitet.
Dazu kommt eine Pflicht, die mitwächst: Seit August 2026 gelten mit Artikel 50 der KI-Verordnung Transparenzpflichten für bestimmte KI-generierte Inhalte. Wer blind generiert, muss zusätzlich klären, was er kennzeichnen muss.
Zwei Wege zum selben Launch. Zieh beide Punkte bis zur Flagge und schau auf die Skala darunter.
Was wir in dem Meeting gelernt haben: Technik überzeugt niemanden
Ein Eingeständnis. Wir argumentieren bei diesem Thema gern mit Technik: sauberer Tech-Stack, ein Designsystem mit klarer Hierarchie, Verhaltenslogik für jedes Endgerät. Alles richtig. Und alles unsichtbar für jemanden, der gerade ein fertiges Layout auf dem Tablet gesehen hat. Der Kunde sieht Tempo. Den Unterschied zwischen Layout und Marke sieht er nicht, weil man ihn erst nach Jahren sieht.
Gezogen hat am Ende etwas anderes: Wir arbeiten seit Jahren zusammen, und er vertraut uns. Wir haben einen Kompromiss gefunden. Der Kunde gibt das Grundkonzept des Designs selbst vor, wir setzen um. Das spart ihm einen vierstelligen Betrag, auch bei den Nutzungsrechten, weil weniger Designleistung von uns kommt. Dazu haben wir klar gesagt: Für die Zeitlosigkeit dieses Designs legen wir die Hand nicht ins Feuer. Ob die Seite in fünf Jahren noch die Marke trifft, entscheidet jetzt er. Unsere Garantie dafür hat er aber nicht mehr. Das war beidseitig OK.
Bei einem Neukunden hätten wir anders reagiert. Bei einem Bestandskunden, der offen sagt, dass er sparen muss, tauschen wir Leistung gegen klare Erwartungen. Das ist uns die Beziehung wert.
Drei Fragen, bevor bei uns eine KI startet
Wir nutzen KI täglich, als Abkürzung durch routinierte Fleißarbeiten, nicht als Abkürzung zum Ergebnis. Drei Fragen halten uns dabei auf Kurs.
- Welche Entscheidung soll das Design ermöglichen? Bevor ein Tool startet, klären wir, was der Besucher danach tun soll: anrufen, anfragen oder direkt kaufen. Erst die Frage, dann das Werkzeug.
- Wohin fließt die gesparte Zeit? Wir nutzen das Tempo, um früh etwas Greifbares zu zeigen: eine klickbare Demo statt endloser Moodboard-Runden. Die Zeit, die KI uns beim Bauen spart, stecken wir in die maßgebenden Entscheidungen. Geschwindigkeit verschiebt Arbeit, sie ersetzt sie nicht.
- Könnte das auch bei deinem Wettbewerber stehen? Unser einfachster Test. Wenn ein Entwurf genauso gut auf der Website der Konkurrenz stehen könnte, ist er nicht fertig. Egal wie schnell er entstanden ist.
Dazu kommt unsere gläserne Werkstatt: Du schaust live mit ins Grafiktool oder in den Code. So siehst du, wo KI uns im Projekt einen Vorteil verschafft, wo echte menschliche Arbeit nötig ist und, wenn du offen dafür bist, erlangst du mit uns im Austausch automatisch mehr Medienkompetenz und Verständnis, wie Dinge funktionieren.
Warum Kunden den Unterschied am Ende doch spüren, auch wenn sie ihn nicht benennen können, zeigen wir nächste Woche im zweiten Teil: Die Kreidetafel.
TL;DR
Schnell ist ein Werkzeug. Gut ist eine Entscheidung.
KI macht Design schneller. Besser wird es erst, wenn jemand die gewonnene Zeit ins Denken steckt statt in noch mehr Varianten.
Dreh das Tablet ruhig zu uns um
Du hast schon KI-Entwürfe für Logo oder Website und weißt nicht, ob die was taugen? Zeig sie uns. Ich schaue aufs Konzept, Daniel auf die Technik. Du bekommst ehrliches Feedback in drei Sätzen, ohne Projektmanager dazwischen.